
Lasst die Fugen blühen!
Auch eine Fuge ist ein Standort – selbst, wenn das vielleicht erst einmal ein ungewöhnlicher Gedanke ist. Findet sich doch in jedem Baumarkt eine Palette von Gerätschaften und chemischen Mittelchen, die dafür sorgen sollen, dass sich Bewuchs in Wegen und auf Terrassen gar nicht erst breit macht oder aber wieder verschwindet.
Trittfeste Fugen-Begrünung
Dabei sind Fugen ein wunderbarer Standort, wenn wir sie von Anfang an mitdenken. Lassen wir z.B. zwischen den Natursteinplatten einer Terrasse etwas breitere Fugen und säen sie gezielt mit den heimischen Wildpflanzen unserer Wahl ein, die auf diesem Extremstandort wunderbar zurechtkommen: Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Arzneithymian (Thymus pulegioides), Scharfer oder Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare oder S. acre).
Am Rand darf vielleicht eine Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum) ihre leuchtend pinken Blüten in die Höhe strecken, warum nicht auch in einer ausgesparten Betonplatte? Die rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) würde sich hier auch wohlfühlen, ebenso wie am Rande die lange blühende, kleinblütige Steinbrech-Felsennelke (Pethroragia saxifraga). Die Liste ist beliebig verlängerbar – schön sind sie alle und unsere Insekten fliegen auf sie! Spontanbewuchs aus den Beeten rundherum gibt es natürlich auch. Schließlich dürfen sich unsere Wildpflanzen versamen.
Schauen wir gespannt, was wachsen will, lassen wir das, was uns gefällt und zupfen nur das aus den Fugen, was uns stört oder mit seinen Wurzeln für die Platte zu stark wäre.
Ganz nebenbei sorgen unsere so begrünten Fugen für ein kühleres Mikroklima und tragen zur Biodiversität bei.
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Christina Ullrich
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